Ein Klavier für Ihre Musik.

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Magazine

02.08.2021

Der falsche Wunsch nach dem Besten

Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

warum stecken Automobilkonzerne so viel Geld in die Formel 1, warum investieren Sportfirmen viel Geld, damit Fußballstars ihre Schuhe tragen? Nun, der Gewinn ist, dass die sogenannten Fans dann genau dies auf sich reflektieren und dieselbe Marke wie ein bestimmter Fahrer oder Fußballspieler besitzen möchte. Der Faktor Marketing ist einer der wichtigsten in diesem Bereich. Wie ist das bei Flügeln und Klavieren?

Nun, auch da ist der Faktor ähnlich: Die Bühnen der Konzertsäle sind die Formel-1-Rennen der Klavierbaufirmen. Denn wenn dort ein bestimmtes Instrument von einem bestimmten Pianisten gespielt wird, gräbt sich dieser Eindruck in das Gedächtnis der Zuhörer, der sich dann vielleicht auch wünscht solch ein Instrument zu besitzen – oder zumindest eines derselben Marke (einen Formel-1-Rennwagen kann man ja auch nicht kaufen …).

Was ist aber der eigentliche Grund dieses Interesses an einem Instrument, das man in einem grandiosen Moment auf der Bühne erlebt hat? Nun, man will einfach das Beste für sein eigenes Spiel. Und wenn man sich nicht das Beste leisten kann, dann muss es eben ein Instrument dieses Klavierbauunternehmen sein, das man sich anschafft, um wenigstens einen Abglanz des Pianisten und dessen Fähigkeit den Klang auf den guten Konzertflügel zu gestalten, zu erhaschen.

Doch ist es das, was man wirklich will? Will man nicht vielmehr offen bleiben für seine ganz eigenen Ideen und Klangvorstellungen? Denn nur mit diesem Denken findet man „sein“ Instrument.
Natürlich sind die Konzertflügel der Klavierhersteller grandiose Instrumente. Und da gibt es auch kein wirklich besseres oder schlechteres, denn die Grundlagen der großen Konzertflügel sind bei allen Herstellern hervorragend, da kommt es dann nur noch auf den guten Techniker an, der aus dieser Grundlage etwas Außergewöhnliches macht.

Kaum ein Privatier hat den Platz oder den entsprechend großen Raum, um einen Konzertflügel in sein eigenes Heim zu stellen. Das macht auch gar keinen Sinn, mögen diese Instrumente auch noch so grandios klingen und gebaut sein. Aber sie sind nun einmal für einen Konzertsaal gebaut, für einen großen Raum. Das Beste ist also nur gut, wenn man auch die entsprechenden Rahmenbedingungen schafft oder hat.

So sollte man sich frei machen von dem Denken, dass es unbedingt ein Instrument der Marke sein muss, die ein bestimmter Pianist in einem besonderen Konzert auf der Bühne gespielt hat. Denn zum einen sind alle diese Konzertinstrumente handgearbeitet und immens unterschiedlich in ihrer Spielart und ihrem Klang. So würde man ohnehin nicht denselben klanglichen Effekt haben, würde man sich „nur“ ein entsprechendes Instrument suchen.

Warum ich das alles schreibe? Oftmals denken viele private Klavierspieler, dass sie eigentlich einen Steinway-Flügel haben wollen, da diese oftmals auf den Bühnen stehen. Doch wenn sie sich dann an einen solchen Flügel setzen, passt es oftmals nicht mit dem eigenen Spiel oder der eigenen Idee einer Klangentfaltung zusammen. Man sollte sich befreien von dem Wunsch nach dem Besten, das man von der Bühne auf sich reflektiert. Man sollte das für sich beste Instrument finden. Das kann dann auch eines einer vielleicht weniger bekannten Marke sein. Wenn man es ausprobiert wird man es spüren. Machen Sie sich also frei von Markendenken, denn das führt letztendlich oftmals in die Irre.

Carsten Dürer
- Chefredakteur PIANONews -

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