Ein Klavier für Ihre Musik.

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Magazine

21.02.2025

Das Nussbaum-Erlebnis

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

erinnern Sie sich noch? Wenn man in den 1970er und 1980er Jahren in ein Haus kam, in dem ein Klavier stand, dann waren es meist Kleinklaviere in typischem Nussbaum-Furnier. Das war üblich, denn fast jeder Hersteller hatte diese Variante in seinem Portfolio. Und es war oftmals auch die preiswerteste. Schwarze Klaviere waren da schon etwas Besonderes. Selbst dort, wo kleine Flügel standen, waren diese oft in Nussbaum-Furnier oder aber Eiche-Furnier ausgeführt. Schwarz war damals etwas Edles und wenig üblich.

Nun hat sich dies seit vielen Jahren umgekehrt. Eigentlich gibt es fast nur noch schwarz polierte Polyesterlacke in Klavierhäusern zu sehen. Damit sind die meisten Instrumente kaum mehr zu unterschieden, wenn man sie nicht anspielt, oder auf das Typenschild schielt. Die Hersteller haben es umgekehrt: Schwarz ist die preiswerteste Variante. Und dies, obwohl die Verarbeitung nicht unaufwändig ist und bei den Herstellern auch Kosten bei der Verarbeitung (Auflagen der Umweltbehörden mit Filteranlagen und Schutz in den Lackierkabinen) verursacht.

Das Problem: Heute haben nur noch wenige Hersteller ein Lager mit Furnierhölzern, das wurde ihnen irgendwann zu teuer. Zudem ist die Verarbeitung von den fragilen dünnen Holzschichten nicht einfach und heute können dies nur noch wenige Mitarbeiter leisten. Irgendwie ist das traurig, denn wenn man heute ein schön furniertes Neu-Instrument findet, ist es oftmals deutlich teurer als ein schwarz poliertes.

Natürlich hat sich dies auch gewandelt, da die Käufer irgendwann beschlossen haben, dass ein Klavier schwarz sein sollte. Man wollte – ganz im Denken der angesprochenen Jahrzehnte – ein edel aussehendes Instrument im Haus haben. Eine Zeitlang sah es so aus, als würde sich dieser Trend wieder umkehren, da auch die Möbelindustrie wieder die alten Furniere entdeckte. Doch das war doch nur ein Aufflackern einer optischen Bandbreite, die sich nicht gehalten hat.

Wer heute ein bezahlbares Instrument in Naturfurnier kaufen will, ist fast schon gezwungen, sich bei den gebrauchten Instrumenten umzuschauen. Das ist ein wenig so wie bei den Automobilen: Wenn man eine besondere Farbe haben will, dann muss man draufzahlen. Das Individuelle und auf den Wohnraum Zugeschnittene geht dadurch ein wenig verloren. Wenn sich dies ändern sollte, müssen die Käufer agieren, müssen viel häufiger nach Furnier-Instrumenten fragen, müssen erklären, dass sie eigentlich kein schwarzes, im Wohnbereich auch optisch recht massiv aussehendes Instrument haben wollen. Dann könnte dieser Trend sich vielleicht wieder ändern.

Ich persönlich finde furnierte oder sogar in massivem Naturholz gearbeitete Instrumente deutlich ansprechender, wenn es um die normalen Klaviere geht. Bei Flügeln muss es schon ein besonderes Holz sein, damit die Optik passt. Aber nochmals: Scheuen Sie sich nicht, nach furnierten Klavieren zu fragen, auch wenn Sie nicht direkt eines im Ladenlokal entdecken.

Carsten Dürer
- Chefredakteur PIANONews -

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